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Kurzgeschichten

Ein Neuanfang

Am vierten Oktober des Jahres 2006 wurde unser ohnehin kurzer Schlaf durch das schrille Piepen eines Weckers jäh beendet.
Der Aufbruch musste früh geschehen, um rechtzeitig an den anstehenden Feierlichkeiten und etwaigem Beiwerk teilnehmen zu können.
Das dunkle Band, auf welchem wir uns dahinbewegten, wurde trotz der Fülle an Lichtern nur leidlich erhellt. Diese spärliche Erleuchtung und in einiger Entfernung, sporadisch aufblitzendes Rot, waren die einzige Helligkeit, die sich unseren trägen Augen bot.
Plötzlich troff kalte Nässe vom Himmel herab und verwandelte das Band in einen Spiegel glänzender Schwärze, der ob seiner Finsternis, willenlos alles auf ihn scheinende Licht zurückwarf, zeitgleich krabbelte unaufhörlich unnützes Zeug aus dem Radio.
Als der Morgen gewahr wurde , waren wir am Ziel unserer Reise und ein mulmiges Gefühl bemächtigte sich meiner. Wie viele Menschen wohl dieses Empfinden mit mir teilten? Gewiss war ich nicht der Einzige - für unzählige andere junge Menschen würde ein neuer Lebensabschnitt beginnen - geprägt von größtmöglicher Freiheit.
Doch von Anfang an war für mich klar gewesen, dass ich dies nicht zu sehr auskosten wollte; zu sehr war ich von meinem eigentlichen Ziel besessen - Wissen und die Möglichkeit mein Leben neu zu ordnen; gänzlich inneren Frieden zu finden.
Nicht streberhaft, eher strebsam sah ich meine Person die unvergleichlichen Tage eines Studenten erleben.
Ich bedauerte nichts; keinen meiner Entschlüsse; alles sollte sich an jenem Ort, zu jener Zeit auszahlen.
Nun saß ich von der kalten Luft des Weges hierher, aufgerüttelt, mit brennend roten Augen in dem, was man Hörsaal nennt.
Die Schreibfeder glitt, angenehm in meiner Hand liegend, über das regelmäßig karierte Papier; dessen Struktur ich niemals hinterfragte. Ich genoss es, wie die blaue Tinte sich in diese weißen Fasern eingrub, um dort die Gedanken und das Wissen anderer zu bannen.
Ich fühlte mich leer, zu viel hatte ich an andere gedacht - abermals. Jetzt war es an der Zeit mehr für mich selbst zu tun.
Zwar fegte der Schreiber des Professors ähnlich, fast lautlos wie der meine, über nahezu Unsichtbares, doch bescherte mir der Anblick dieses künstlichen Schaffens keinerlei Befriedigung.
Die Müdigkeit erreichte ihren Höhepunkt, zehrte an meinen Nerven, drohte meine Augen zusammenzureißen.
Ich schaute des öfteren zur Uhr - wann würde die sogenannte Veranstaltung wohl ihr Ende nehmen? Eine stetige Frage, die jedoch alsbald durch andere Gedanken verdrängt wurde.
Anlass für das Aufheben meiner bis dato, praktisch monatelang währenden Schreibblockade, war ein Gespräch des vergangenen Abends. An jenem sollte ich genügend Denkansätze erfahren, um wieder meinem Laster des übermäßigen Schreibens fröhnen zu können.
Doch es galt auch der Vorlesung Aufmerksamkeit zu widmen und meinen eigenen Einfällen bot sich lediglich der Rand des Blattes, auf dem nunmehr ein Wirrwarr aus naturwissenschaftlichen Fakten und meinen schweigenden Gedanken stand.
Als ich bald gezwungen war ein neues Blatt aufzuschlagen, da spürte ich ein Verlangen, das Datum aufzuschreiben. Ein erneut kurzer Blick zur Uhr - und ein wenig Trauer durchzog meinen ermatteten Leib. - Ein neues Blatt, ein neuer Tag, der 22. November.
Sie wäre heute vier Jahre geworden, dachte ich still, in Erinnerungen suchend. Sie war so schön gewesen; so wunderschön - einzigartig.
Wir waren immer zusammen - ich hatte sie geliebt; nicht nur wegen ihrer Erscheinung - nein, das nicht.
Es war nicht nur ihre Anmut, ihr Glanz, ihre Figur, ihre nüchterne Kälte, die ich zu spüren bekam, wenn ich sie berührte; ich trug stets Handschuhe. Doch das Ganze ist mehr als die Summe der einzelnen Teile! - ich liebte sie, ich hatte sie besessen - sie war Mein gewesen; bis zu jenem Tage, an dem sie mir auf gar heimtückische Art und Weise genommen ward; aus meinem Keller gestohlen - für immer fort.
Große Pläne waren ihr bestimmt; schöne Geschenke warteten auf sie.
Zwei Monate dauerte es, einen neuen Schatz zu gewinnen - aber nichts und niemand ist ersetzbar. Ich werde sie nie vergessen!

In memoriam "Die Schlanke Hummel"

22. November 2002 bis 8. September 2006,
Geschwindigkeitsrekord auf ebener Strecke: 48 km/h,
nur zwei Stürze,
mindestens über 13.000 km Fahrweg
Wie ich sie misse.
22.11.06 00:00


Allnacht

Langsam löste sich der Deckel vom Rest des Sarges und der faulig süße Gestank von verwestem Fleisch erfüllte die Grabkammer.
Da lag er nun, öffnete ruckartig seine kalten Augen und kletterte mit einem höhnischen Lachen aus dieser Holzkiste, die ihm stets gut als Schlafplatz gedient hatte.
Ein neuer Tag würde beginnen - oder besser noch - eine neue Nacht.
Hastig suchte seine Zunge die Lippen und beide Mundwinkel nach Blut ab - aber vergebens.
Die Gier hatte ihn überkommen. Er musste zur Mahlzeit schreiten oder der Fluch, der ihn schon so lange aufs Übernatürlichste am Leben gehalten hatte, würde nun sein Ende finden.
Eine stürmische Nacht, erfüllt von Regen, Blitz und Donner und doch hielt dieser Umstand die reichen Herrschaften der Stadt nicht davon ab, einen ihrer rauschendenBälle zu veranstalten. Prunkvoll, mit einem großartige Buffet, reich an Wein und Menschen - so würde die heutige Feier wieder einmal sein - mit vielen Menschen und deren Blut.
Eingeladen waren ausschließlich reiche und angesehene Leute. Und bei der edlen und charismatischen Gestalt des Grafen, würde es ein Leichtes werden sich hier Zugang zu verschaffen.
Auf unheimliche Weise war ihm der Verfall seines Körpers nicht mehr anzumerken, doch blieb er von einer fahlen Mine geprägt.
So fand sich der finstere Fürst auf dem Balle wieder.
War dies Freude, die sich in seinem kalten Leib ausbreitete? - nein, unmöglich!
Sein untotes Wandeln auf Erden, welches ihm ein schier unendliches Existieren versprach, hatte einen angemessen hohen Preis - die Seele - und somit waren alle Gefühle nicht von Bedeutung, da er sie nicht verspüren konnte.
Aber anscheinend blieb ihm nicht alles verwehrt. Eine gewisse Art von Leidenschaft ergriff den untoten Herrn, zeitgleich als dieser den ersten Klang von Musik vernahm. Geschwind nahm er die zärtliche Hand einer jungen Dame und vollführte mit ihr einen eleganten Tanz, der die Aufmerksamkeit der Gäste unverkennbar auf sich zog.
Das arme Fräulein. Seinem unwiderstehlichen Scharm erlegen, folgte sie dem Unbekannten auf die Straße. Hier war es still. Nichteinmal die Ratzen wagten es in der Gegenwart des dunklen Grafen zu quieken. Am ganzen Körper bebend, aber dennoch ohne jegliche Furcht schritt die junge Schönheit auf den geheimnisvollen Fremden zu.
Zärtlich küsste dieser ihren seidigen Hals, dabei wurde sie schwach und als er es für angemessen hielt, stachen seine spitzen Zähne in ihr weiches Fleisch und verschlang gierig den jungfräulichen Lebensnektar.
So süß war ihr Blut, so süß, dass er ganz vergaß sie zum Weibe zu nehmen.
Die Nacht näherte sich ihrem Ende zu und es starb abermals eine junge Frau in den Fängen eines Vampirs. Die entseelte und vom Blute geleerte Hülle fiel unschön zu Boden, währen die Wangen des nächtlichen Besuchers ein wenig an Farbe gewannen und ein abscheuliches Grinsen auf den blutverschmierten Lippen sich formte.
26.4.04 00:00


Texte (c) by ChaDawn
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Hintergrundbild (c) by toeknuckles

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